Notgeldscheine
der Stadt Bernburg
1918 – 1923


Notgeld war in dieser Zeit ein Geldersatzmittel, zumeist zur Überbrückung der durch Krieg und Inflation entstandenen Geldknappheit. Die Scheine wurden von Städten, Institutionen und Betrieben herausgegeben und hatten teilweise nur territoriale Bedeutung; außerdem war die Gültigkeit zeitlich eingeschränkt. Die Bezeichnung war recht unterschiedlich, z. B. "Kriegsgeld", "Notgeld" u.a.m.

Die Scheine der Stadt Bernburg wurden als "Gutschein" ausgewiesen. Hauptsächlich diese sollen im folgenden vorgestellt werden. In der ersten Zeit war Kleingeldmangel der Ausgabeanlaß. Dieser entstand durch Einschmelzen der kursierenden Nickel- und Kupfermünzen infolge der Kriegswirtschaft. Edelmetallgeld - 20 Pf bis 20 M - wurden aus währungspolitischen Gründen zurückgehalten.

Die Ausgabe von Notgeldscheinen durch die Stadt Bernburg erfolgte relativ spät am 20.11.1918. - In Dessau wurden z. B. schon 1914 Scheine zu 1 Mark verausgabt.
Es handelt sich bei der ersten Bernburger Ausgabe um Scheine zu 25 und 50 Pfennig. Zugleich wurden Großgeldscheine zu 5 und 10 M aufgelegt, da Silber- und Goldmünzen kaum noch im Umlauf waren und die Reichsdruckerei mit Banknoten nicht nachkam.
Die Auflagenhöhe betrug 10.000 (10 M), je 40.000 (25 Pf, 5 M) und 100.000 (50 Pf) Stuck, mit einem Gesamtnominalwert von 360.000 Mark und 2850 M Herstellungskosten. Die Gestaltung war recht einfach, so ist die Rückseite unbedruckt. Am 1.5.1920 wurde die 2. Serie mit Scheinen zu 10, 25 und 50 Pf verausgabt. Die Auflage lag bei 60.000 (50 Pf) bzw. je 100.000 (10, 25 Pf) Stück zum Gesamtnominalwert von 60.000 M. Nachträglich wurden diese Scheine zusätzlich mit einer großen farbigen Wertziffer versehen, wahrscheinlich zwecks besserer Erkennbarkeit. Die Rückseiten waren zur Fremdenverkehrswerbung wie folgt in einem Grundfarbton bedruckt: 10 Pf: Allegorie Solbad Bernburg; 25 Pf: Kurhaus; 50 Pf: Schloß Bernburg. Die nächste Ausgabe erfolgte im Oktober 1921 und Februar 1922 (ohne Datum) in gleicher Stückelung aber völlig anderer Gestaltung, um dem damaligen Geschmack der Sammler zu entsprechen. Inzwischen gab es nämlich viele Notgeldsammler. Damit wurde ein großer Teil der Scheine nicht eingelöst und das tat dem „Stadtsäckel" gut.
Die Vorderseite dieser Scheine ist mehrfarbig und zeigt das Bernburger Wappen. Die Rückseite beinhaltet beim 10-Pf-Schein wiederum eine Allegorie mit dem Hinweis "stärkste Sole Deutschlands". Der 25-Pf-Schein zeigt das Bernburger
Schloß und der 50-Pf-Schein das neue Rathaus mit dem vielsagenden Faustzitat "Er gefällt uns nicht, der neue Bürgermeister". Das war damals Herr Gothe, der auch auf beiden Serien unterschrieben hat. Die erste Serie unterschrieb Herr Leinweber.
Am 28.11.1921 wurde ein weiterer 50-Pf-Schein zur Erinnerung an die Einweihung des neuen Rathauses gedruckt. Dieses ist auf der Rückseite abgebildet nebst dem alten Spruch: "Klug gehst du hinauf, klüger kommst du herunter". Die Bernburger Scheine wurden entweder von der Bernburger Druckerei Schwarzenberger oder von der Fa. Sturtz/Würzburg hergestellt. Bei allen Scheinen gibt es für Sammler interessante Unterschiede, z. B. in der Papierart oder bei den Kontrollziffern.

Etliche Bernburger Betriebe und Einrichtungen gaben in der Inflationszeit eine ganze Anzahl verschiedener Notgeldscheine heraus, allen voraus die Deutsche-Solvaywerke-AG. Davon ist besonders das sog. "Goldnotgeld" vom 26.10.1923 erwähnenswert mit den als Überdruck versehenen Nominalen: 42 Goldpfennig (1/10); 1,04 Goldmark (1/4) und 4,20 GM (1). Dadurch wurde der Anschein einer soliden Währung erweckt. Weitere 10 Bernburger Betriebe und Einrichtungen gaben Papiergeld heraus, z.T. mit der Bezeichnung "Kundenscheck". Vom "Hofjäger" sind 1920 privat Kleingeldscheine zu 50 Pf ohne Datum herausgegeben worden. Schließlich kursierte in der Stadt Bernburg damals auch das von der Herzoglichen Finanzdirektion Dessau gedruckte Notgeld des Freistaates Anhalt. Das begann 1917 mit "Kriegsnotgeld" zu 25 und 50 Pf und endete 1923 mit einer Serie von 500 bis 2 Billionen (!) Mark. Mit der Einführung der Rentenmark Ende 1923 war diese Notgeldzeit vorbei. Für Sammler heute interessant, für Betroffene damals bitter, da durch die Inflation Sparguthaben und Bargeldbestände praktisch wertlos geworden waren. Nur ein Preisbeispiel möge das verdeutlichen: Der Marktpreis für ein Hühnerei betrug Anfang 1918 ca. 30 Pf und stieg wie folgt: Januar 1922: 3,50 M; Juli 1923: 900 M; Sept.: 1 Million und im November (Hochinflation): 35 Milliarden Mark.

 

 

 

 

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