"Was Gutenberg ersonnen
und dann zuerst begonnen,
das üben wir als Kunst.
Wir bringen Blei zum Fließen,
um Lettern draus zu gießen.
So wirken wir mit Gunst!"

Alter Buchdruckerspruch    

Wappen der
Buchdrucker


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im alten Ruhrwachthaus in Oberhausen begann 1961 mein beruflicher Werdegang...

 

42 aktive Arbeitsjahre liegen hinter mir. So wie sich die beiden Gebäude  oben und unten unterscheiden, so hat sich in den 42 Jahren mein Beruf verändert. Begonnen habe ich wie Gutenberg vor 500 Jahren: das Material war Blei, die Lettern wurden einzeln gesetzt und durch Hinzufügen von sog. Blindmaterial die fertige Druckform erstellt. Natürlich gab es auch schon Maschinensatz, als Zeile (Linotype) oder einzeln (Monotype), ebenfalls aus Blei.

In kaum einer anderen Branche hat der Computer in so kurzer Zeit für so gravierende Änderungen gesorgt wie in der Druckindustrie. Auch davon wird weiter unten berichtet.

 

...und hier beendete ich 2003
mein Berufsleben:
Der Axel Springer-Verlag in
Essen-Kettwig.

 


 

Mein beruflicher Werdegang
zum echten "Jünger Gutenbergs"

 

Am 1. April 1961 begann ich meine dreijährige Lehrzeit zum Schriftsetzer bei den Vereinigten Verlagsanstalten (VVA) in Oberhausen. Der Betrieb gliederte sich in eine leistungsfähige Akzidenzsetzerei einschl. Monotypesatz- und -gießabteilung, großem Drucksaal mit Maschinen vom Heidelberger Tiegel bis zur Druckpresse für ein Format DIN A0. Angeschlossen war eine moderne Buchbinderei. Daneben gab es die Zeitungssetzerei und die Zeitungsrotation. Gedruckt wurden dort die Oberhausener Tageszeitung "Ruhrwacht", die Kirchenzeitung des Bistums Essen, das "Ruhrwort" sowie verschiedene Periodika.
Zum Beginn der Ausbildung stand eine zweiwöchige allgemeine Einführung in die graphischen Berufe in der Graphischen Berufsschule Essen. Danach ging ich einmal pro Woche dort in die Schule. Im Betrieb nahmen mich Meister Schwamborn und ein Altgehilfe unter ihre Fittiche.
Wie es im graphischen Gewerbe üblich war, wurde ich als Lehrling am ersten Arbeitstag von den Gehilfen in die Irre geführt. Mich schickten sie zum Einkaufen von Rasterpunkten in die Innenstadt. In Schreibwarengeschäften sollte es so etwas geben. Tatsächlich wurde ich in einem Geschäft fündig. Man packte mir die ausgestanzten Schnipsel von einem Locher in eine Tüte und klebte sie zu. Stolz, etwas erreicht zu haben, kam ich im Betrieb an. Lachen auf allen Seiten, besonders auch, weil das Geschäft so ideenreich mitgemacht hat.

Sofort am Anfang meiner Lehre zum "Jünger der schwarzen Kunst" wurde mir mein neues Handwerkzeug übergeben und erklärt.

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Das Zeilenmaß bekam ich erst nach einigen Wochen. Vorher sollte ich ein Gefühl für das graphische Maßsystem bekommen. 
Das typographische Maßsystem, im 18. Jahrhundert von Fournier erdacht und von Didot verbessert (beides Franzosen), wurde im Jahre 1879 von dem Schriftgießer H. Berthold (Berlin) auf das metrische System aufgebaut und als Normalsystem eingeführt. Danach hat ein Meter genau 2660 Punkt, ein Millimeter 2,66 Punkt und ein Punkt ist gleich 0,376 Millimeter.
Cicero, Konkordanz und Punkt sind Längenmaße, die in den Zeiten der alten Buchdruckerkunst Anwendung fanden. Aber nur der typographische Punkt (ca. 0,376 mm) hat sich als Größenangabe für Schriften in die Computerzeit retten können.
1 Cicero = 12 Punkte = 4,512 mm;
1 Konkordanz = 4 Cicero = 48 Punkte = 1,805 cm.

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Der Schriftkasten - ihn lernte ich kennen, lieben und hassen.

Aufbewahrungskasten, in dem Lettern bis zu einem Schriftgrad von 16 Punkt aufbewahrt werden. Die Lettern sind so einsortiert, daß die am häufigsten vorkommenden Buchstaben (e, n, a, m) der Hand des Setzers am nächsten liegen. Neben den Lettern ist ebenfalls das passende Ausschlußmaterial im Setzkasten untergebracht. Aus ihm wurden die einzelnen Buchstaben  und das benötigte Blindmaterial in den Winkelhaken gesetzt.

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Alles war furchtbar neu für mich, von den meisten Ausdrücken und Materialien hatte ich noch nie etwas gehört: Namen der Schriften, Ligaturen, Signaturen, Durchschuß, Blindmaterial usw. Die schwarze Kunst kam mir manchmal vor wie schwarze Magie.
Das begann schon morgens mit dem Gruß. Sagten einige Altgehilfen nicht etwa "Guten Morgen" sondern "Gott grüß' die Kunst". 
Lehrjahre sind keine Herrenjahre - sagt man. Morgens vor dem Frühstück hieß das für mich, den Meister und die Gehilfen nach ihren Einkaufswünschen für das Frühstück und die Mittagspause zu fragen. In den ersten Monaten hatte ich es nicht weit: der Kaufhof war direkt unter uns, der Meister duldete keine unnötig weiten Wege. Bei schlechtem Wetter brauchte ich das Haus somit nicht verlassen. Das änderte sich aber, als der Kaufhof schräg gegenüber neu baute und die Wege länger wurden, einige Gehilfen sich zu Gourmets entwickelten und Fleischwurst und Geflügelsalat nur von bestimmten Geschäften wünschten. Schummeln war fast nicht möglich, es sei denn, das betreffende Geschäft hatte wg. "Trauerfall", "Wasserrohrbruch" oder ähnlichen unerwarteten Ereignissen geschlossen. Schließlich gab es alles im Kaufhof...
Großen Wert wurde im Betrieb auf Sauberkeit gelegt. Essen mit ungewaschenen Händen innerhalb der Setzerei galt als verpönt und war den Lehrlingen strikt verboten. Die Bleikrankheit, im graphischen Gewerbe heute kein Thema mehr, galt als sehr gefährlich. Von ihr betroffen waren besonders Schriftgießer, Setzer, Arbeiter in Akkumulatorenfabriken und alle, die täglich mit Blei umgingen. Als bester Schutz galt Sauberkeit und das Trinken von Milch. Für die Lehrlinge gab es täglich einen halben Liter gratis, ersatzweise auch Kakao. Milch trinke ich übrigens immer noch regelmäßig. Schade eigentlich, daß ich kein Brauer geworden bin...
Schon bald wurde ich in die hohe Kunst des "Quadrätelns" eingeführt: Dazu wurden kleine, quadratische Ausschlußstücke (Gevierte) benutzt, die an einer Seite eine Einkerbung (Signatur) aufwiesen. Nach einem Wurf mit den Gevierten brachte jede nach oben liegende Signatur einen Punkt; lagen alle nach unten (blank) zählten die Punkte doppelt. Blieb ein Geviert senkrecht stehen (was äußerst selten vorkam) hatte man einen  "Gutenberg" (Höchstgewinn).
Ich lernte das ABC des Schriftsetzers, lernte setzen, korrigieren, ablegen, ausschlachten, lernte Schriften erkennen und richtig anwenden, lernte den "Glatten Satz": das möglichst fehlerfreie Setzen eines absatzlosen Textes in 10 Punkt Antiqua, Breite 22 Cicero, Zeit eine Stunde. Ich lernte gestalten und Tabellensatz mit und ohne Linien, lernte auch den Umgang und das Zusammenarbeiten mit Kunden.
Nach und nach wurde ich an alle Drucksachen herangeführt, die im Betrieb hergestellt wurden: Familiendrucksachen, Handzettel, Plakate (auch im Linolschnitt), Zeitschriften, Kataloge, Bücher, Kalender usw. Mit der Zeitungsherstellung hatte ich nichts zu tun, mußte aber montags beim Ablegen der Wochenendausgabe hin und wieder mithelfen. 

Nach 18 Monaten fand die Zwischenprüfung statt, und nach drei Jahren dann die Gehilfenprüfung. Ich war Gehilfe! Von nun an zählte ich dazu. Die, die ich gestern noch "Siezen" mußte, sollte ich nun "Duzen", über Nacht waren aus (den meisten) Respektspersonen Kollegen geworden. Welch ein Gefühl! Welch eine Feier!
Wie es bei den Jüngern Gutenbergs von alters her Brauch ist, wurde ich zusammen mit einigen anderen Kollegen gegautscht.

Nach meiner Lehrzeit blieb ich noch zwei Jahre bei den Vereinigten Verlagsanstalten und wechselte im Frühjahr 1966 zur Druckerei Richtscheid in Oberhausen. Dort kam ich zum ersten Mal mit Offsetdruck in Berührung. Leider mußte ich im Oktober 1966 für 18 Monate zur Bundeswehr. In diese Zeit fiel die erste größere wirtschaftliche Rezession, die auch die Druckindustrie betraf. Der Betrieb Richtscheid gab mir zu verstehen, mich nach der Bundeswehrzeit nicht über die vierzehntägige Kündigungszeit beschäftigen zu können. So suchte ich mir eine neue Stelle und fing am 1. April 1968 beim Springer-Verlag in der Essener Sachsenstraße an. Die Osterunruhen, besonders waren Springerbetriebe betroffen, erlebte ich hautnah, sah Barrikaden brennen, Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas, Randale pur.
Hergestellt wurden im Essener Betrieb DIE WELT, WELT am SONNTAG, Bild, Bild am Sonntag, alle Lokalausgaben der NRZ, VDI-Nachrichten (nachdem die Fa. Industriedruck abgebrannt war) und andere wöchentlich oder monatlich erscheinende Zeitungen.
Eine große Umstellung: Zeitungsherstellung in Schichtarbeit, Arbeit am Wochenende und an Feiertagen, Überstunden bis morgens, mehr als hundert neue Kollegen usw. 
Ein besonderes Ritual in der Essener Setzerei war das Zusammenstellen und Versenden der Koffer.
Überwiegend war ich im Anzeigensatz und -umbruch beschäftigt sowie teilweise in der Arbeitsvorbereitung, d.h. das Berechnen und Auszeichnen der Manuskripte für die weitere Bearbeitung..
Nach 18 Monaten ging ich zur Fa. Drescher in den Außendienst, verkaufte Gestaltungen von Drucksachen, Formulare einschl. der damit verbundenen organisierten Abläufe. Ich kam viel herum, lernte viele interessante Firmen und Menschen kennen. Das schon damals nach "modernen" Gesichtspunkten geführte Unternehmen schraubte die Umsatzerwartungen und den damit verbundenen Druck für die Außendienstler immer höher. 1972 zog ich die Konsequenzen, kündigte und begann am 1. Januar 1973 erneut beim Springer-Verlag in Essen.
Der Fotosatz warf bereits seine Schatten voraus, in Kettwig baute Springer Europas modernstes Druckhaus und setzte voll auf Fotosatz und Offsetdruck. Bis der Betrieb in Kettwig seine volle Kapazität erreicht hatte und zuverlässig produzierte, liefen die Betriebsstätten in Essen und Kettwig parallel.
Für alle Kollegen, die nach Kettwig gingen, war das Bleizeitalter des Johannes Gutenberg vorbei. Die Druckvorlagen wurden nun im Fotosatz hergestellt und zu reprofähigen Seiten zusammengeklebt, mit der Kamera wurden Seitenfilme hergestellt, von diesen Filmen Offsetplatten hergestellt und schließlich auf der Rotation gedruckt. Eine riesige Herausforderung für alle, waren doch sämtliche Arbeitsschritte neu, Erfahrungen aus vergleichbaren Betrieben gab es nicht, in Kettwig wurde Pionierarbeit geleistet.
Im September 1973 fing ich in Kettwig an, lernte mit dem Skalpell umzugehen, statt Blei hatte ich Papier in der Hand, welches mittels Wachs auf Papier- oder Astralonbögen geklebt wurde. Immer noch viel Handarbeit, aber anders eben.
Erfahrungen in der Arbeitsvorbereitung hatte ich bereits in Essen gesammelt, da war der Schritt in die AV in Kettwig nicht allzu neu.
Die Perforatur benötigte, besonders durch den Ausbau der Bild-Regionalausgaben, neue Kollegen, und so meldete ich mich für die Perforatur, lernte Schreibmaschinenschreiben (10-Finger-Blindsystem), das Lesen von Texten und Befehlen vom Lochstreifen und den Umgang mit den Fotobelichtern. Eine große Erleichterung waren später die ersten Bildschirme, an denen überwiegend Korrekturen gemacht und die Texte dann auf neuen, korrigierten Lochstreifen ausgegeben wurden. Zu sehen waren auf den Bildschirmen allerdings nur Texte und Befehle des von uns benutzten Systems Cora 5. 
Nach einigen Jahren in der Perforatur ging ich, bedingt durch Umstrukturierungen in den Abteilungen, in die Fotosatzmontage zurück. In diese nachfolgende Zeit fiel auch die legendäre Episode mit meiner Frühschicht am Pfingstmontag. Viel wurde darüber gelacht und geschmunzelt, teils hinter vorgehaltener Hand. Einige Herren waren allerdings "not amused" und versuchten  - mit teils fragwürdigen Methoden - mir meinen Arbeitseinsatz negativ auszulegen. Leider vergeblich!

Bedingt durch den immer stärker werdenden Einsatz von vierfarbigen Bildern und Anzeigen suchte die Repro-Montage dringend Verstärkung, und im September 1988 wechselte ich nach einer internen Stellenausschreibung in diese Abteilung. Das bedeutete für mich ein vollkommen neues und sehr umfangreiches Aufgabengebiet. Dazu gehörten die Bedienung der 1/1-Seitenkamera, das Beurteilen und Weiterverarbeiten der Filme, wie z.B. ausflecken mit Rötelfarbe, nachziehen von Linien, überprüfen des Standes bei mehrfarbigen Seiten inkl. Korrektur durch zerschneiden und paßgenaues Ausrichten der Filme. War das alles erledigt, wurden die Seitenfilme für die Farbvoreinstellung in der Rotation gepixelt und an die Plattenkopie weitergegeben.

Meine eigentliche Aufgabe in der Repro-Montage war jedoch die paßgenaue Montage von redaktionellen Vierfarbbildern sowie von -anzeigen und hier besonders für die Bild am Sonntag. Für deren gesamtes Verbreitungsbereich wurden die Anzeigen für fünf (später für sieben) Regionalausgaben in Kettwig hergestellt und nach oft mehrmaligem Andruck schließlich auf den endgültigen Stand montiert. Umfangreiche Kontrollen wie z.B. das Übereinanderbelichten von allen Farben auf eine Offsetplatte sowie das Überprüfen des Standes schlossen die Montagearbeiten ab. Montags wurden diese Anzeigen dann vom Frühdienst mit den redaktionellen Filmen aus Hamburg in Kettwig zusammenkopiert und an die Regionaldruckorte per Kurier versandt. Ein riesiger Aufwand, der nur von einem hochqualifizierten Team bewältigt werden konnte. An manchen solcher Großkampftage wurden bis zu 900 Filme von Kettwig aus an die anderen Druckorte verschickt.

Die Aufgabe des Spätdienstes war natürlich die Abwicklung der Tagesproduktion mit allen anfallenden Arbeiten. Dazu gehörten ebenfalls Vierfarbmontagen von Bildern und Anzeigen, das Zusammenkopieren dieser Teile mit den Seitenfilmen, die schon erwähnte Bedienung der 1/1-Kamera und das Bedienen der Faksimileanlage, die mit dem Druckauftrag einer Teilauflage der SZ in Kettwig installiert wurde und danach auch für anderen Objekte des Verlages, soweit sie geeignet waren, genutzt wurde. Insbesonders das Bedienen der Faksimileanlage, die mehrfach erweitert wurde, war nur mit dem Einsatz von Computern möglich. In der räumlich recht kleinen Zone, in der das alles aufgebaut war, liefen zeitweise bis zu 17 Monitore und erinnerten mehr an die Kommandobrücke vom Raumschiff Enterprise als an die Abteilung Repro.
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Eines der einschneidendsten Ereignisse in meinem Berufsleben war der Großbrand in der Druckerei Kettwig. 
Für den Standort Kettwig hatte der Brand aber auch zur Folge, daß geplante Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen nun viel schneller umgesetzt werden konnten. Durch den Neubau der Rotationshalle wurden die geplanten CtP-Anlagen (Computer-to-Plate, ganze Seiten direkt vom Computer auf die Druckplatte) unmittelbar neben den Rotationsmaschinen aufgebaut, was zur Folge hatte, daß immer weniger Offsetplatten in der alten Plattenkopie gefertigt wurden. So fiel nach und nach auch die Abteilung Repro dieser Maßnahme zum Opfer. Eine gewaltige Computervernetzung zur Produktionssteuerung war die Folge. Die alten 1:1-Kameras wurden nach und nach ausrangiert, Kollegen der Repro mußten immer häufiger in der Plattenkopie und an den neuen CtP-Anlagen aushelfen. In kürzester Zeit setzte eine Rationalisierungswelle ein, für die ursprünglich ein Zeitraum von zehn Jahren vorgesehen war.

Aber, wie schon erwähnt, es war für die Mitarbeiter nichts mehr wie früher. Die Repro bekam in immer kürzeren Abständen neue Dienstpläne, sogar eine Nachtschicht von 23 Uhr bis 7 Uhr wurde eingeführt. Die Faksimile- und auch die CtP-Anlagen spuckten nun ununterbrochen Filme und Platten aus München und Hamburg aus, die Anzeigenblätter lieferten statt abends nun mitten in der Nacht die Druckvorlagen, die Rotationen liefen ständig, so daß auch immer aus der Repro eine schnelle Eingreiftruppe präsent sein musste. Nach und nach stellten alle in Kettwig gedruckten Zeitungen auf die CtP-Technik um, so daß die Faksimileanlagen nicht mehr gebraucht wurden. Die Repro gab es nicht mehr.

Vor vielen Jahren hat der damalige Betriebsratsvorsitzende Alfred Lindeken bereits prophezeit: "In Kettwig wird es in den nächsten Jahren nur noch zwei "R" geben, nämlich Redaktion und Rotation." Er hat Recht behalten. 
Nachdem die weitere Entwicklung abzusehen war, nahm auch ich ein Angebot für die Altersteilzeit an. Denn ich hatte mir eines vorgenommen: in der Rotation werde ich nicht landen. Bis auf die letzten zwei Monate - und das noch mit Unterbrechungen - ist es mir auch gelungen.

Am 31. Januar 2003 war mein letzter aktiver Arbeitstag, und am 31. Mai 2005 werde ich aus dem Unternehmen ausscheiden und dann meine Rente genießen.

Mitarbeiter in Kettwig:

1980, Kettwig III geht in Betrieb                ca. 1.100
2000, Inbetriebnahme nach dem Brand       ca.    690
2005, mein Ausscheiden aus dem Unternehmen   390


Ein Foto aus der Einführungslehre.
Der zweite von rechts, das bin ich.

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Im Winkelhaken, einer gewinkelten Metallschiene mit einer Vorrichtung zur Justierung der Zeilenbreite, dem sog. "Frosch", werden die einzelnen Bleilettern gesammelt und ausgeschlossen, das heißt mit nichtdruckendem Bleimaterial  auf volle Länge gebracht, so daß zum Schluß ein winkliger Satzblock in die Druckmaschine gespannt werden kann.
Der Winkelhaken war mein Hauptwerkzeug, es gibt ihn in verschiedensten Ausführungen, aber das Konstruktionsprinzip dieses Werkzeuges hat sich in über 500 Jahren nicht verändert.



Setzen des Textes - Holzschnitt 1568 (Ausschnitt)
Gut erkennbar: Setzkasten und Winkelhaken


Winkelhaken mit ausgeglichener Zeile "Gutenberg"

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Ahle und Pinzette wurden benötigt, um Schriften und Blindmaterial gezielt zu greifen oder durch Anstechen aus der fertigen Form herauszuholen, um z.B. Korrekturen auszuführen. Darüber hinaus war die Ahle für das Verarbeiten von Monotypesatz unentbehrlich.

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Schriften ab 20 Punkt wurden mit Hilfe des Absteckhölzchens im Steckkasten einsortiert.

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Mit Zeilenheber (l.) und Stichel hatte ich während meiner Lehre zwar nichts zu tun, brauchte sie aber in der Zeit, als ich im Springer-Verlag in Essen mit der Herstellung von Zeitungen beschäftigt war. Beide Werkzeuge dienten zum schnellen Auswechseln von Linotypezeilen und Blindmaterial, waren sehr scharf und mit entsprechender Vorsicht zu gebrauchen.
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Fertiggestellter Satz im Satzschiff mit Werkzeugen und Kolumnenschnur zum Ausbinden des Satzes
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Bewerbungsfoto beim
Springer-Verlag 1968

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Die Lupe: Wichtigstes Werkzeug in der Repro, diente zum Einpassen der Vierfarbsätze und zur Kontrolle

 



Skalpelle mit spitzem und rundem Messer wurden sowohl in der Satzmontage als auch in der Repro verwendet

 


Schere: zum Schneiden von Filmen, Folien, Fotopapier und vielem mehr


Pinsel: in verschiedenen Stärken zum Ausdecken von Filmen

 

Pins mit Rund- und Eckloch zum paßgenauen Montieren von Vorlagen. Dieses System wurde im gesamten Konzern von der Satzmontage über die Repro, Faksimileanlagen, Plattenkopie bis zur Rotation angewandt. Dadurch war ein unbedingtes Maßhalten von Druckträgern gewährleistet.



Markierungspunkte: Sie dienten zum Kennzeichnen von Montagebögen und Filmen für die entsprechenden Farben


Blei- oder Eisenklötze: Sie dienten zum Fixieren der Filme vor dem Befestigen auf der Montagefolie, waren unten mit Filz bezogen, um die Schichtseite der Filme vor Kratzern zu schützen.

 

Vieles wäre noch hinzuzufügen, wichtiges und weniger wichtiges. In 42 Arbeitsjahren passiert viel, angenehmes und weniger angenehmes. Jedoch möchte ich nun nach über drei Jahren Abstand von Beruf und Betrieb dieses Kapitel hiermit schließen.

 

Einige Bilder, kurz vor meinem letzten Arbeitstag aufgenommen


Mein Arbeitsplatz in der Repro-Montage


Alte Pixelkamera und neue Farbzonenrechner in der Repro


Alte Plattenkopie


Es war einmal: Hinweisschild für ehemaligen Abteilungen


Kommandozentrale für die CtP-Rechner


Neue CtP-Anlage direkt neben der Rotation


Blick in die neue Weiterver_
arbeitung (oben und  rechts)


Letzter Arbeitstag und letzte Filmmontage: Text- und Bildumbau von fehlerhaften AVIS-Filmen

 

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