Besuch im Tagebau Garzweiler
März 2005


Zunächst bleibt nach dem Abbau eine MondlandschaftAm 28. März 2005 besuchte ich mit meiner Familie den Braunkohletagebau Garzweiler. Wir waren überrascht von der riesigen Fläche, die hier für die Gewinnung der Braunkohle abgetragen worden ist. Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich erschreckend, wie die Gegend dort aussieht. Das muß man mal gesehen haben - und Garzweiler II steht noch bevor...

 

Nun einige Infos, die ich zusammengetragen habe.

Im Städtedreieck zwischen Aachen, Köln und Mönchengladbach trifft man auf "wandernde Löcher", die bis zu 350 m tiefen Gruben der Braunkohletagebaue. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird Braunkohle an den Höhenrücken der Ville in größeren Mengen abgebaut. Um 1900 geht der Abbau über zum Groß- und Tieftagebau, es entstehen weitere Reviere im Norden, später auch im Westen.
In den 1950er Jahren entwickelte man Verfahren für den "tiefen" Tagebau. Riesige Schaufelradbagger tragen zunächst den Abraum ab, bevor man auf die Kohleflöze trifft - dasDie Kohle wird in die Kraftwerke gebracht und dort verstromt Verhältnis von Abraum zu Kohle beträgt 4,5:1.

Garzweiler ist einer der größten Braunkohletagebaue Deutschlands und liegt zwischen Mönchengladbach, Aachen und Köln.
Der im Norden des Reviers betriebene Tagebau Garzweiler I wird etwa 2006 die westliche Abbaugrenze erreichen und soll anschließend nahtlos im Feld Garzweiler II fortgesetzt werden. Dieses Abbaugebiet besitz enorme Dimensionen.
Insgesamt müssen rund 7600 Menschen aus elf Ortschaften umgesiedelt werden. Die Stadt Erkelenz verliert durch Garzweiler II ein Drittel ihrer Fläche.

 

Das Festhalten an einem langfristigen Braunkohlenbedarf von etwa 110 bis 120 Mio t pro Jahr, der im wesentlichen für die Verstromung eingesetzt werden soll, begründen aus Sicht des Landes Nordrhein-Westfalens und der RWE Rheinbraun AG die Notwendigkeit, aus drei Großtage-
bauen im rheinischen Revier Braunkohle zu fördern:
• Tagebau Inden,
• Tagebau Hambach,
• Tagebau Garzweiler.
Der Anschlusstagebau Garzweiler II soll ab dem Jahr 2006 die Braunkohlenförderkapazität für den auslaufenden Tagebau Garzweiler I sicherstellen.

An manchen Stellen werden nach dem Auskohlen riesige Seen entstehenBis 2045 werden im Städtedreieck Erkelenz, Jüchen und Bedburg auf einer Fläche von 4800 Hektar jährlich rund 30 bis 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Die Kohle dient zur Stromerzeugung in fünf nahegelegenen Kraftwerken. Nach Angaben des Tagebaubetreibers RWE Power werden in NRW fast 40 Prozent des Strombedarfs durch Braunkohle gedeckt, bundesweit 25 Prozent.

Bei einer geplanten Förderung von jährlich 45 – 50 Mio. t Braunkohle ist das Abbauende am Südrand für das Jahr 2045 prognostiziert. Nach dem Einstellen der Bergbautätigkeit und nach abgeschlossener Rekultivierung verbleibt auf Grund des Materialdefizits im westlichen und südwestlichen Gebiet ein Restloch mit einer Fläche von ca. 32 km2. Da dieses Loch nicht mit Abraum verfüllt werden kann, soll hier ein ,,Landschaftssee" entstehen. Dieser See wird im Endzustand eine Fläche von ca. 25 km2 einnehmen.

Deutlich ist die Kohleschicht zu erkennenVor Förderung der Kohle wird das Abbaufeld „freigemacht", d.h. Böden, Vegetation, Gewässer, Verkehrswege, Siedlungen u.s.w. werden vollständig von der Erdoberfläche abgeräumt. Die in einem Braunkohlenabbaugebiet lebende Bevölkerung verliert ihre Heimat. Die Bewohner einer betroffenen Ortschaft werden umgesiedelt.
Zur Zeit erfolgt in einem ersten Umsiedlungsabschnitt für die Jüchener Orte Otzenrath, Spenrath und Holz die Umsiedlung.
Ein zweiter Umsiedlungsabschnitt umfasst die Erkelenzer Ortsteile Immerath, Pesch, Lützerath und Borschemich.

Wir haben uns den verlassenen Ort Otzenrath angesehen - ein Geisterdorf. Auch die alten Dörfer wie Altdorf, Inden und Etzweiler gleichen Geisterstädten. Verlassene Häuser werden von Plünderern heimgesucht. Die übrigbleibenden Einwohner und deren Bauernhöfe sind umgeben von verfallenen Häusern. Bald werden auch sie weichen und alles zurücklassen müssen, was ihnen lieb war. Und sie werden ein neues Leben beginnen müssen in einer künstlichen neuen Heimat.Die Landschaft verändert total ihr Gesicht

Das Dorf Otzenrath wird das erste Dorf sein, das in 3 bis 4 Jahren von Garzweiler II verschlungen werden wird. Zunächst fällt nur die Stille auf, die in Otzenrath herrscht. Keine Autos fahren, kein Passant überquert die Straße, keine spielenden Kinder sind zu sehen. Dann bemerkt der Betrachter die von bräunlichem Moos überzogenen Hauszufahrten, die von Staub und Regen erblindeten Fensterscheiben, zum Teil zerschlagen, die verwahrlosten Vorgärten. Otzenrath, 20 Kilometer südlich von Mönchengladbach, ist eine Einöde. Hier wohnt keiner mehr.

Das zwischen den Städten Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln und Aachen gelegene Doppeldorf Otzenrath/Spenrath, scheint auf den ersten Blick ein typisch rheinisches Dorf zu sein, eines von vielen hier im Westen von Nordrhein-Westfalen mit einem prägenden Dorfbild, mit Kirchen, Bauernhöfen, Eigenheimen, Bäumen, Pflanzen, Straßen und Gassen, gewachsenen Strukturen eben. Doch geht man vom oberflächlichen Blick auf der Landkarte über zu einer genaueren Recherche, so stellt man schnell fest, in welcher außergewöhnlichen Situation sich der über 800 Jahre alte Ort befindet. Man wird feststellen, dass es diesen Ort de facto aktuell zweimal gibt. Tatsächlich nämlich werden die Dorfbewohner umgesiedelt - vonNur geballte Technik macht die gewaltige Fördermenge möglich Otzenrath/Spenrath (alt) nach Otzenrath/Spenrath (neu), ist man doch vom Tagebauprojekt Garzweiler II betroffen, welches der Energiekonzern RWE Power hier im Rheinischen Braunkohlerevier umsetzt und dabei müssen insgesamt 8000 Menschen in neu entwickelte Orte umziehen. 1600 davon sind Otzenrather und Spenrather und man ist durch die Jahre des Streites über dieses Riesenprojekt zu einer zweifelhaften Berühmtheit gelangt, auch dadurch weil auf den Rücken der Dorfbevölkerung über Jahrzehnte zahlreiche Grabenkämpfe von Politik, Wirtschaft und Medien ausgetragen wurden. Im Laufe des Jahres 2005 werden nahezu alle der 1600 umzusiedelnden Menschen in der neuen Heimat wohnen und dafür weiter kämpfen, dass am neuen Standort auch eine neue Heimat entsteht.

__________________________________________________________________________________________________

Schaufelnde Riesen

Im rheinischen Tagebau arbeiten die größten Bagger der Welt: Sie sind 240 Meter lang und mit 96 Metern so hoch wie ein dreißigstöckiges Hochhaus. Sie können täglich 240.000 Tonnen Baggerschaufel im GrößenvergleichKohle oder Abraum fördern - genug, um ein Fußballstadion 30 Meter hoch zuzuschütten. Der Koloss aus Stahl wiegt soviel wie dreizehntausend Autos und kann sich daher nur schleppend mit 600 Metern pro Stunde bewegen. Gigantische Zahlen, doch eine wirkliche Vorstellung von diesen Dimensionen bekommt erst, wenn man neben der großen Förderschaufel steht, die sich Schicht für Schicht in die Erdgeschichte gräbt.
Zu Beginn eines Tagebaus tragen die Schaufelradbagger zunächst die obere Bodenschicht einschließlich des Mutterbodens ab. Dieser wird separat gelagert, um später bei der Rekultivierung als Oberboden wieder eingebracht zu werden. Anschließend wird der so genannte Abraum gefördert: Ton, Kies und Sand. Entweder wird hiermit sofort ein bereits ausgeräumter Tagebaubereich gefüllt oder er wird auf riesigen Halden zwischengelagert. Zum Transport der großen Erdmassen werden aus Kostengründen keine Lastwagen sondern Förderbänder genutzt. Wenn allerdings größere Entfernungen überbrückt werden müssen, werden alternativ Eisenbahnzüge eingesetzt. Beispielsweise ist das RWE Rheinbraun-eigene Eisenbahnnetz Ein Gigant aus Stahl: Bagger im Tagebauinzwischen über 300 Kilometer lang und alle Förderbänder zusammen genommen ergeben eine Strecke von über 240 Kilometer.
Am Ende der Förderbänder wird der Abraum durch einen schwenkbaren Absetzer – im Prinzip ein Förderband, das in der Luft mehrere Meter über dem Boden endet – gleichmäßig auf eine Fläche verteilt. Diese Abraumhalden werden bei einer späteren Rekultivierung entweder erneut abgetragen und im ausgekohlten Tagebau verkippt, oder aber sie verbleiben als künstlicher Berg an ihrem Ort.

____________________________________________________________________

Baggertransport über Land

Ein besonderes Ereignis für die Mitarbeiter im Tagebau, die Anwohner sowie anreisende Touristen ist ein Bagger- und Absetzertransport über Land. Es lohnt sich nicht ihn zu Diese Planierraupen wirken wie Spielzeugdemontieren, angesichts seiner gigantischen Ausmaße. Lieber errichtet man mit enormen organisatorischen Aufwand eine eigene Baggertrasse, legt Böschungen, Autobahnüberquerungen und Flußüberbrückungen an und entschädigt Landwirte für ihren Ernteausfall. Die Dimensionen, um die es hier geht, werden im Größenvergleich zu dem Radlader und den Arbeitsraupen sichtbar. Der Absetzer ist 5000 Tonnen schwer, 187 m lang und 57 m hoch.


                   Hier noch einige Bilder vom Transport über Land.

Der Absetzer ist 5000 Tonnen schwer, 187 m lang und 57 m hoch Bagger und Absetzer auf dem Weg ins neue Abbaugebiet
Nur Radfahrer waren als Gegenverkehr möglich Kurz vor einer Straßenüberquerung
Nahe dem Bagger ist deutlich das Zusatzgerät mit gelbem Fahrzeug zur Stromversorgung zu erkennen. Eine Landstraße, die überquert werden muß, ist mit Kies bedeckt

 

Zum Abschluß noch einige Bilder vom Tagebau Garzweiler I
 

 

Neben Garzweiler I gibt es noch den Braunkohletagebau in Inden und Hambach.

Und spätestens 2006 wird Garzweiler II die Landschaft total verwüsten...

 

Zurück zur Startseite