Schloß Moyland bei Kleve (Niederrhein) - August 2004

Das in seinen Ursprüngen mittelalterliche Wasserschloss wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert im barocken Stil verändert und erweitert. 1740, als es im Besitz der preußischen Krone war, trafen sich dort Friedrich der Große und Voltaire zum ersten Mal. Neuer Schlossherr wurde 1766 die Familie von Steengracht, die auch den Umbau ab 1854 veranlasste. Kein Geringerer als der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gestaltete das Schloss im neugotischen Stil.
Bis 1945 diente Schloss Moyland der Familie von Steengracht als ständiger Wohnsitz und war beliebtes Ausflugsziel für Reisende am Niederrhein. Nach jahrzehntelangem Verfall begann man 1987 mit ersten Restaurierungen bis schließlich 10 Jahre später das Museum eröffnet wurde.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert ließ der damalige Schlossbesitzer Freiherr Alexander von Spaen Schloss Moyland im barocken Stil umbauen. Gen Süden wurde die Anlage durch eine dreiflügelige Vorburg mit Torhaus und Wirtschaftsgebäuden erweitert. Ein barockes Alleen- und Grabensystem, das heute noch existiert, strukturiert den sich insgesamt über vier Inseln erstreckenden Schloss- und Gartenkomplex.
Ab 1854 erfuhr Schloss Moyland durch den Architekten Ernst Friedrich Zwirner einen prägenden Umbau. Zwirner ließ den alten Schlossbau mit einer zweiten Mauerschicht im damals zeitgemäßen neugotischen Stil ummanteln, die dem Schloss sein bis heute unverkennbares romantisches Aussehen verleiht.
Bereits um 1900 war Schloss Moyland ein beliebtes Ausflugsziel für Reisende von nah und fern. Obwohl das Schloss als ständiger Wohnsitz der Familie von Steengracht diente, war es interessierten Besuchern möglich, einen Blick ins Innere des Schlosses und in die Gartenanlage zu werfen.

Schloss Moyland beherbergt in seinen Mauern seit dem Wiederaufbau die ehemalige Privatsammlung der Brüder van der Grinten. Als Museum für moderne Kunst wurde es am 24. Mai 1997 eröffnet.
In einzigartiger Weise verbindet das historische Schlossensemble mit seiner weitläufigen Gartenanlage Architektur und Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit modernen und zeitgenössischen künstlerischen Positionen. In den Räumen des Schlosses wird in einer ständigen Präsentation eine Auswahl aus der Sammlung van der Grinten gezeigt. Die Nebengebäude dienen als Orte wechselnder Kunstausstellungen, die ebenso wie die zahlreichen Kulturveranstaltungen und Events das Museum zu einem kulturellen Zentrum von internationaler Bedeutung machen.

Die ehemalige Privatsammlung der Brüder Franz Joseph (*1933) und Hans van der Grinten (*1929 - †2002) wird in einer ständigen Ausstellung auf fünf Etagen im Schlossgebäude gezeigt.
Mit Kennerschaft und sammlerischer Kontinuität haben die beiden Kunstenthusiasten über 50 Jahre eine einzigartige Sammlung von Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert aufgebaut. Nahezu alle Bereiche der bildenden und angewandten Kunst sind darin vertreten. Neben Beispielen internationaler Strömungen der modernen Kunst liegt ein Schwerpunkt auf Werkkomplexen einzelner Künstler. Vor allem die persönlichen Kontakte der beiden Sammler zu Künstlern wie Joseph Beuys, Erwin Heerich, Hermann Teuber oder Rudolf Schoofs bestimmen den unverwechselbaren Charakter dieses Museums. In ihm befindet sich zugleich der weltweit größte Bestand an Arbeiten von Joseph Beuys.

Früh entdeckten die Brüder Hans (*1929 - †2002) und Franz Joseph van der Grinten (*1933), aufgewachsen auf einem Bauernhof in Kranenburg, ihre Begeisterung für die Kunst. Den Beginn der Sammeltätigkeit markiert 1946 der Ankauf dreier grafischer Blätter in einem Krefelder Schreibwarengeschäft. Rasch wuchs die Sammlung in ihren verschiedenen Gebieten zu einer der wichtigsten Privatsammlungen in Nordrhein-Wesfalen an, die 1990 von den Sammlern der Stiftung Museum Schloss Moyland übereignet wurde.
Von immenser Bedeutung sind die Arbeiten von Joseph Beuys, der auch im intensiven Austausch mit den Brüdern van der Grinten neue Sammlungsgebiete anregte. Geprägt von Kennerschaft und sammlerischer Kontinuität, jenseits kurzlebiger Trends, bauten Franz Joseph und Hans van der Grinten eine Sammlung von einzigartigem Charakter auf.

Kernbereich des Museums ist das künstlerische Schaffen von Joseph Beuys. Mit ihm waren die Brüder van der Grinten seit den 50er Jahren eng befreundet. Sie waren die ersten, die Arbeiten von ihm erwarben und sie bauten die weltweit größte Sammlung zu dessen künstlerischem Werk auf. Nahezu 5.000 Arbeiten von Joseph Beuys werden heute im Museum verwahrt, wobei ca. 1/3 dieses Bestandes in einer ständigen Ausstellung gezeigt wird. Zeichnungen, Wasserfarbenblätter, Ölgemälde, Plastische Bilder und plastische Arbeiten vermitteln einen tiefen und fast alle Schaffensphasen umspannenden Einblick in die Kunst von Joseph Beuys. Wie in keinem anderen Museum ist hier auch das Frühwerk des Künstlers in ausführlicher Breite dokumentiert. Nicht nur Kunstwerke von Joseph Beuys sammelten die Brüder van der Grinten, sondern sie erhielten von ihm auch zahlreiche Archivalien zu dessen Leben, Werk und Wirken, die den Grundstock des Joseph Beuys Archivs innerhalb der Stiftung Museum Schloss Moyland bilden.

Barocke Gartenelemente wie das Alleen- und Grabensystem bestimmen noch heute die Grundstruktur des Gartens. Zeitgleich mit der Umgestaltung des Schlosses im neugotischen Stil legte man im ausgehenden 19. Jahrhundert einen Garten im "gemischten Styl" an. In ihm verbinden sich Partien im Stil des "Englischen Gartens" mit Strukturen des "Architektonischen Gartens" zu einer situationsreichen Park- und Gartenlandschaft. Sie wurde parallel zum Wiederaufbau des Schlosses ebenfalls nach ihrem letzten historisch überlieferten Zustand wiederhergestellt. Heute befinden sich in dem Garten zugleich ein Skulpturenpark und ein Kräutergarten.

Der Kräutergarten in der Parkanlage von Museum Schloss Moyland ist eine besondere Sehenswürdigkeit. Er beinhaltet mehrere hundert Pflanzenarten und bietet einen Querschnitt durch die Geschichte der Kräuter-, Heil-, Nutz- und Duftpflanzen von der Antike bis heute. Die Basis für diesen Kräutergarten bildet das handgemalte und -geschriebene "Anholter Kräuterbuch", das um 1470 entstanden ist.

Die Skulpturen des ausgehenden 20. Jahrhunderts fügen sich harmonisch in die historische Gartenanlage. Plastische Arbeiten, von kleinformatigen bis zu monumentalen Skulpturen, finden im Außenbereich ihre Einbindung in die abwechslungsreichen Gartenpartien. Dieses Miteinander von zeitgenössischen Kunstwerken und historischer Gartenkunst eröffnet vielseitige Bezüge zwischen Kunst und Natur. Es hebt die Kunst aus ihrem musealen Kontext und stellt sie in einen Dialog mit gestalteter Natur. Eduardo Chillida, Erwin Heerich, Gerhard Marcks, Joseph Jaekel oder das Künstlerpaar Kubach-Wilmsen sind mit ihren Werken im Skulpturenpark vertreten.

Hendrick Spilmann, Schloss Moyland, 1746, Kupferstich Friedrich Julius Umbach, Schloss Moyland, 1855, Stahlstich nach einer Zeichnung von Ludwig Rohbock Schloss Moyland mit niederländischen Besuchern, um 1920, Fotografie
Schloß Moyland, Museum des Landes NRW, dauerhafte Joseph Beuys-Ausstellung Sehr gepflegte Anlagen rund um das Schloß Interessante Heilkräuterausstellung
Eingang zum Innenhof und zum Museum Im Krieg wurde das Schloß stark zerstört, jetzt ist es total restauriert Entenfütterung im Schloßpark
Das Museum geht bis in die Turmspitze Von oben hat man einen herrlichen Blick über den Niederrhein Im Skulpturenpark von Schloß Moyland
Schloßgraben mit Vase Vergoldete Vase im Schloßpark Blumen - wie immer eine Augenweide

 

 

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